Der Mann im Mond

By Philipp Schmidli / Januar, 29, 2013 / 10 Kommentare
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Ein Skifahrer läuft am 28. Januar 2013 vor dem aufgehenden Vollmond einen Berg hinauf.

Nach monatelangem Location scouting und Planen ist es mir nun beim vergangenen Vollmond endlich gelungen eine Person vor dem Mond zu platzieren. Die Aufnahme ist das Resultat einer langen Vorbereitungszeit und nicht ebenso kurz aus Zufall entstanden. Nachfolgend ein paar Zeilen dazu.

Location

Das schwierigste und aufwändigste war die Suche nach einem geeigneten Standort. Mehrere Faktoren sind diesbezüglich entscheidend.
1. Die Motivposition muss logischerweise in Richtung Mondaufgang gerichtet sein.
2. Die Motivposition sollte höher liegen als die Fotoposition. Allerdings darf dieser Höhenunterschied nur minimal sein. Ist dieser Unterschied zu hoch führt dies zwangsläufig dazu, dass man beim Fotografieren das untere Ende des Motivs (beispielsweise die Füsse bei einer Person) nicht mehr sieht. In den Bergen oder am Meer ohne störenden Hintergrund können die beiden Positionen aber auch auf gleicher Höhe liegen.
3. Fotografiert wird mit einer langen Brennweite (1000mm+), dementsprechend muss die Fotoposition mehrere hundert Meter vom Motiv entfernt sein.
4. Bäume, Zäune, Telefon- oder Strommasten im Hintergrund sind natürlich zu vermeiden.

Obwohl ich in einer hügeligen Gegend wohne und mich auch sehr gut in der Region auskenne hat mir die Wahl der Fotoposition stundenlanges Kopfzerbrechen bereitet. Ich schaute mir mögliche Standorte über Monate in der Freizeit vor Ort an oder suchte via Google Earth nach Standorten in der Region und kontrollierte sie nach den oben aufgeführten Kriterien. Zu beachten gilt es, dass der Mond seine Laufbahn Monat für Monat ändert. Nicht jede Position ist in jedem Monat brauchbar. In den letzten Tagen bin ich schliesslich endlich fündig geworden. Die gefundene Position eignet sich für Januar und Februar. Für den Sommer habe ich einen anderen Standort in Aussicht.

Ablauf

Fotografiert werden kann ein Tag vor, während und ein Tag nach Vollmond. Am ersten Abend hatte ich keine Zeit, am zweiten Abend (Vollmond) war das Wetter mies und so blieb für Januar nur noch der Montagabend, 28. Januar 2013 übrig bevor ich auf den nächsten Vollmond im Februar hätte warten müssen. Obwohl einige Wolkenfelder am Himmel standen entschieden sich mein (Berufs-)Kollege Roger Grütter und ich den Versuch zu starten. Grütter, selber (Outdoor-, Presse-)Fotograf und begnadeter Skifahrer stand mir an diesem Abend als Model zu Verfügung. Ich hatte den Standort im Vorfeld zweimal besichtigt und das Einverständnis des Landeigentümers hatte ich ebenfalls eingeholt. Die im Vorfeld errechneten Standorte für Model und Kamera waren Dank einem mobilen Outdoor-GPS trotz Neuschnee relativ schnell und stressfrei erreicht. Grütter und ich kommunizierten über Walkie Talkies, was die Sache sehr einfach machte. Während der Wartezeit herrschte Ungewissheit: Sind die Positionen korrekt berechnet, stören die Wolken das Bild, sonstige Faktoren welche ich vergessen hatte? Um 19:55 begann das Spektakel, der Mond zeigte sich am Horizont und Roger musste sich erfreulicherweise nur ein paar wenige Schritte neu ausrichten. 150 Sekunden und ein paar Wolken später stand der Mond bereits über dem Horizont und das Bild war gemacht. Interessant für mich war die Phase, als man den runden Mond ungefähr zu 3/4 sah und er immer noch leicht den Boden zu berühren scheint. Diese Situation hält ungefähr 20-30 Sekunden an. Zu Beginn (1/4) und gegen Ende (4/4) waren jeweils Wolken vor dem Mond was die Aufnahmen unbrauchbar macht. Im Mittelteil (2/4-3/4) jedoch herrschte einigermassen gute Sicht und es entstanden ein paar gute Aufnahmen. Perfekt ist die ausgewählte Aufnahme bei weitem nicht. Links unten im Bild ist eine bananenförmige Wolke, welche vor dem Mond steht. Ein leichter Wolken-/Nebelschleier lässt den Mond unscharf erscheinen. Am liebsten wäre mir, wenn man die Mondkrater auf den ersten Blick erkennen kann. Im Sommer könnte man dieses Bild zudem in der „Blauen Stunde“ realisieren, was wohl dazu führen würde, dass sich der Himmel mehr vom Boden abheben würde. Grundsätzlich bin ich jedoch zufrieden weil mein workflow zu funktionieren scheint. Dessen ungeachtet werde ich in Zukunft trotzdem bestrebt sein das Bild noch zu verbessern. Bei gutem Wetter in einer klaren Nacht, bei helleren Lichtkonditionen, mit einem anderen Motiv.

Rekognoszierung | Vorbereitung

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Rekognoszierung in Google Earth.

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Rekognoszierung vor Ort.

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Ein Zaun verunmöglicht das Fotografieren an dieser Stelle.

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Warten und hoffen, dass sich die Wolken schnell verziehen. Noch befindet sich der Mond hinter dem Berg und man sieht ihn nicht, drei Minunten später jedoch entstand das finale Bild. Der Mond bewegt sich schnell über den Horizont.

Fotografie

Ich verwendete 1200mm Brennweite (600mm + 2x Konverter am Vollformat). Offenblende bei dieser Kombination ist f8.0. Blende f8.0 führt jedoch dazu, dass der Mond bei korrektem fokussieren des Motivs im Vordergrund bereits stark in der Unschärfe verschwindet. Ich blendete deshalb trotz dunkler Nacht auf Blende f36 ab. Ziel war es auch den Mond möglichst scharf abzubilden, so dass man die Mondkrater sieht und nicht nur einen weissen, runden Kreis hinter dem Skifahrer. Die Kamera stand auf einem Dreibeinstativ und der Image Stabilisator des Objektivs war ON was mir trotz 1200mm eine Verschlusszeit von 1/40s bei ISO 5000 erlaubte. Das Motiv hatte ich im Vorfeld manuell fokussiert, das Objektiv war im MF-Mode.

Equipment

Canon EOS-1D X
Canon EF 600mm f/4L IS II USM
Canon Extender EF 2x II
Gitzo GT3541LS
Manfrotto MA 393
Garmin GPS eTrex 30

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Fotograf Roger Grütter ausnahmsweise als Model vor der Kamera.


10 Antworten auf Der Mann im Mond

  • Rainer

    Hallo,
    ich finde das Foto so wie es ist … GRANDIOS !
    Interessant, welcher Aufwand dahinter steckt. Man (ich) ist oft versucht zu denken, es könnte sich um eine zufälige Aufnahme handeln.
    Grüße Rainer

  • silvan

    :) sehr schön. Ich finde die Berichte sehr cool mit einem “Making of”! Dann hast du ja jetzt ein weiteres Jahrzehnt-Projekt für verschiedene Jahreszeiten.

    Damn, solche Aufnahmen bei ISO5000 :-D ich mag deine Kamera… du bearbeitest bzgl. Rauschen nicht wirklich was nach – richtig?

    Grüsse,
    silvan

  • Philipp Schmidli

    Bei ISO5000 in Kombination mit dem Konverter war natürlich ein etwas erhöhtes Bildrauschen vorhanden. Das Bild entstand jedoch in RAW und man kann das Maximum aus der Bilddatei holen. Die kleine 900px Vorschau hier entschärft das Rauschen natürlich auch noch zusätzlich.

  • silvan

    ;) das mit RAW nehm ich an, wobei etwas nachschärfen musst du trotzdem noch, denke ich?
    Ich sehe nebst der absolut genialen Bildkomposition (! :-D) den Unterschied … wenn ich ein Bild unter solchen Bedingungen mache mit meiner alten zweistelliger Canon und x2 (ISO5000 in / x2 / ohne IS) – da kommt ein Rauschhaufen-Bild raus ;) … hatt letzthin mal eine neue 5d und war entsetzt, bis wie viel ISO brauchbare Bilder rauskommen und deine 1d setzt da bestimmt nochmal was oben drauf :)

    cool, ich bin gespannt auf die “Sommerausgabe” des Vollmonds! :)

  • Kristoff

    Hey Philipp,
    tolles Foto und der Bericht zeigt eindrucksvoll, wieviel Arbeit hinter einem scheinbaren “leichten” Motiv steckt. Aber der Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt!

    Grüße Kristoff

  • […] German, you can check out Schmidli’s account of this project over on his blog. He also has a writeup of his failed attempt earlier this […]

  • Dr Leah Remeika Dugan

    Well done on cyclist-moon shot that appeared in Daily Mail!!

    :)

  • […] says,”After the full moon image January clouds were still present and the weather did not cooperate in February and March, here’s a […]

  • […] 在 Schmidli 的博客上,他写道自己为了这张照片,花了几个月的时间来监测加计算拍摄的有利位置,其中所设计的地形勘探等都由 Google Earth 和手持 GPS 完成。 […]

  • […] im Vollmondbild vom Januar noch Wolken vorhanden waren und das Wetter im Februar und März nicht mitspielte hier nun ein neuer […]

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